Objektive für Makroaufnahmen

Einführung

Irgendwann dürfte fast jeder Fotograf einmal in die Lage gekommen sein, ein besonders kleines Motiv ablichten zu wollen. Wer ein kleines Motiv fotografieren möchte, wird dabei natürlich zunächst einmal die offensichtlichste Lösung wählen: Näher ran mit der Kamera bzw. dem Objektiv. Je nach Modell ist hier früher oder später Schluss, den Abstand zum Objekt kann man nicht beliebig verkürzen. Gerade bei “klassischen” Objektiven wie Standardzooms oder lichtstarken Festbrennweiten hält sich die “Vergrößerungsleistung” in Grenzen. Wirklich kleine Motive lassen sich damit in aller Regel nicht bildfüllend abbilden. In folgendem Artikel wollen wir auf die Grundlagen der Makrofotografie eingehen und passende Objektive vorstellen.

Mit Makroaufnahmen lassen sich kleinste Details groß abbilden

Der Abbildungsmaßstab entscheidet über die Vergrößerung

Der Abbildungsmaßstab eines Objektivs ist fast in jedem Datenblatt zu finden und informiert über die Abbildungsgröße eines Motivs auf dem Sensor. Bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 (alternative Schreibweise 1,0) wird ein 36 x 24mm großes Objekt bildfüllend, also 36 x 24mm groß, auf dem Sensor abgebildet. Bei einem Abbildungsmaßstab von 1:2 würde die Darstellung mit 18 x 12mm erfolgen. Wie man hieran sieht, ist die Abbildungsgröße auch von der Sensorgröße der verwendeten Kamera abhängig. Je kleiner der Sensor ausfällt, desto größer ist auch der “effektive” kleinbildäquivalente Abbildungsmaßstab. Der Abbildungsmaßstab des Objektivs ändert sich allerdings nicht, nur der Bildeindruck. Die Umrechnung des kleinbildäquivalenten Abbildungsmaßstabes lässt sich dabei genauso wie die Berechnung der kleinbildäquivalenten Brennweite vornehmen.

kleinbildäquivalenter Abbildungsmaßstab = Abbildungsmaßstab x Cropfaktor

Beispiel: 1,0 (Abbildungsmaßstab 1:1) x 2 (Cropfaktor Micro Four Thirds ) = 2,0

Wird ein Objektiv mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1 an einer Kamera mit MFT-Sensor genutzt, ergibt sich also ein kleinbildäquivalenter Abbildungsmaßstab von 2:1.

Einfluss der Sensorgröße und des Abbildungsmaßstabes bei der Makrofotografie

Je größer der Abbildungsmaßstab ausfällt, desto größer lassen sich keine Motive abbilden. Während herkömmliche Objektive auf Abbildungsmaßstäbe von etwa 1:5 bis 1:10 kommen, erreichen für Nahaufnahmen optimierte Modelle bis etwa 1:3. Damit meinen wir vor allem Standardzooms oder Teleobjektive, die mit zusätzlichen Makrofunktionen werben. Von “echten” Makro-Objektivem spricht man dagegen in aller Regel erst ab einem Abbildungsmaßstab von 1:1. Hier greifen die Hersteller auf optimierte Konstruktionen für Makroaufnahmen zurück. Es gibt jedoch auch Makro-Objektive, die speziell für Aufnahmen aus kurzer Distanz optimiert wurden, und “nur” einen Abbildungsmaßstab von 1:2 besitzen. Die Grenzen sind also durchaus fließend.

Abbildungsmaßstab 1:5

Abbildungsmaßstab 1:2

Abbildungsmaßstab 1:1

Abbildungsmaßstab 2:1

 

Der zweite wichtige Faktor: Die Brennweite

Die Brennweite hat keinen Einfluss darauf, wie groß sich ein Motiv abbilden lässt. Anders sieht es beim “Bildlook” aus. Dieser wird von der Brennweite maßgeblich bestimmt. Wie für alle Objektive gilt auch für Makro-Objektive, dass beispielsweise ein Modell mit 35mm zu den Weitwinkelobjektiven gehört und ein Modell mit 105mm zu den Teleobjektiven. Bei kurzen Brennweiten fällt die Schärfentiefe vergleichsweise groß aus, bei längeren Brennweiten ist sie kleiner. Abhängig vom Motiv und den Wünschen des Fotografen sind mal längere Brennweiten und mal kürzere Brennweiten von Vorteil. Dies lässt sich nicht pauschalisieren. Wer sehr starke Vergrößerungen bevorzugt und dabei keine besonderen Techniken zum Vergrößern der Schärfentiefe (“Fokus Stacking”) verwenden möchte, sollte eher auf kürzere Brennweiten setzen.

Besonders wichtig ist die Brennweite zudem, da sie den Abstand (= Naheinstellgrenze) des Motivs vom Sensor bestimmt. Objektive mit langen Brennweiten müssen für einen gleichen Abbildungsmaßstab nicht so nah an das Motiv heran wie Objektive mit kürzeren Brennweiten.

Dazu ein Beispiel: Bei 50mm Brennweite wird ein Abbildungsmaßstab von 1:1 ungefähr bei einer Motiv-Entfernung von 19cm erreicht, bei 70mm sind es etwa 25cm und bei 100mm sogar 30cm. Alle Angaben gelten wohlgemerkt für den Abstand “Motiv bis Sensor” und nicht “Motiv bis Frontlinse”.

Lange Brennweiten ermöglichen größere Abstände vom Motiv, dies ist vor allem bei Tieren wichtig

Bei manchen Motiven mag die Naheinstellgrenze keine Rolle spielen, in vielen Situationen ist sie jedoch von zentraler Bedeutung. Zum Beispiel bei der Aufnahme von lebenden Tieren. Diese lassen sich meistens nicht besonders gern fotografieren und flüchten, sobald man sich mit der Kamera näher. Bekannt ist dieser Abstand unter dem Begriff “Fluchtdistanz”. Unterhalb der Fluchtdistanz werden Aufnahmen schwierig oder unmöglich. Beträgt die Fluchtdistanz beispielsweise 25cm, wären Aufnahmen laut unseres gerade erwähnten Beispiels mit einem 70mm-Objektiv oder 100mm-Objektiv möglich. Die Fluchtdistanz ist natürlich kein fester Wert und kann abhängig vom Fotografen und dessen Auftreten oder auch vom Tier selbst abhängen. Grundsätzlich gilt daher: Beim Fotografieren lebender Tiere sind längere Brennweiten dank des größeren Abstands sinnvoll.

Der Abstand vom Motiv ist aber noch aus einem anderen Grund relevant: wegen der Beleuchtung. Bei der Makrofotografie wird teilweise sehr viel Licht benötigt, kurze Aufnahmeabstände sind daher nicht immer sinnvoll. Ein größerer Motivabstand lässt oftmals mehr Licht auf das Motiv fallen oder verhindert Abschattungen durch das Objektiv, die Kamera oder den Fotografen. Die Beleuchtungsproblematik lässt sich zwar mit speziellen Lampen (z. B. einem Ringlicht) oder auch Blitzen (z. B. einem Zangenblitz) lösen, ein größer Motivabstand ist jedoch meistens nicht von Nachteil.

Brennweiten um 100mm (KB-äquivalent) haben sich als besonders variabel herausgestellt

Vor dem Kauf gilt es also zu prüfen, welche Brennweite den persönlichen Vorlieben oder den häufigsten Einsatzsituationen am meisten entgegenkommt. Klassischerweise werden Makro-Objektive meistens mit mittleren Brennweiten angeboten. Beginnend von 50mm, über 70mm und 90mm bis hinauf zu 105mm. Daneben lassen sich aber auch Modelle mit etwas unüblicheren Brennweiten erwerben. Venus Optics bietet mit dem Laowa 15mm F4 Macro 1:1 beispielsweise ein Makro-Objektiv mit sehr kurzer Brennweite an, von Canon und Sigma lässt sich jeweils ein Telemakro mit 180mm erstehen. Abhängig vom Aufnahmezweck können diese ansprechende und einzigartige Bilder ermöglichen.

Wer nicht genau weiß, welche Motive er mit einem Makro-Objektiv hauptsächlich ablichten will, sollte unserer Meinung nach zu einem Modell mit mittlerer Brennweite, also zum Beispiel 90mm, greifen. Damit lässt sich im Fotoalltag gut auskommen. Preislich gehen diese Modelle zudem noch nicht allzu sehr ins Geld. Objektive mit 150mm oder 180mm kosten in der Regel deutlich mehr.

Alle genannten Brennweiten gelten wie üblich für Kameras mit Kleinbild Sensoren, in folgender Tabelle haben wir verschiedene Werte entsprechend umgerechnet.

Brennweite Kleinbild äquivalente Brennweite APS-C äquivalente Brennweite MFT
50mm 33mm 25mm
70mm 47mm 35mm
90mm 60mm 45mm
105mm 70mm 53mm
150mm 100mm 75mm
180mm 120mm 90mm

 

Die Lichtstärke spielt fast keine Rolle

Während eine große Blendenöffnung bei vielen Aufnahmen für Vorteile sorgt, ist sie bei Makrofotos oftmals weniger wichtig. Makro-Objektive besitzen daher in der Regel keine überdurchschnittlich große Öffnung, F2.8 sind eine klassische Lichtstärke dieses Objektivstyps. Das liegt nicht unbedingt daran, dass Makrofotografen “freiwillig” eine kleine Blende verwenden, sondern an der bereits angesprochenen Schärfentiefe. Bei Aufnahmen mit starker Vergrößerung, also zum Beispiel mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1, fällt die Schärfentiefe bei F2.8 sehr gering aus. Oftmals müssen Fotografen daher eine Blende von F8, F11 oder sogar F16 verwenden, um ein Motiv oder zumindest den gewünschten Bereich (wie den Kopf) komplett scharf abbilden zu können. Eine große Blende spielt daher meistens nur eine Rolle, wenn das Makro-Objektiv auch andere Aufgaben übernehmen soll. Ein Modell mit 85mm lässt sich beispielsweise für Porträtaufnahmen verwenden.

Die Schärfentiefe fällt bei Makroaufnahmen sehr klein aus

Autofokus und Bildstabilisator: Nice to have, aber keine Pflicht

Fotografen des aktuellen Zeitalters sind Komfort gewöhnt. Eine hohe Detailschärfe, wenige Abbildungsfehler, ein schneller Autofokus und die optische Bildstabilisierung haben mittlerweile viele Objektive zu bieten. Darauf wollen die meisten natürlich ungern verzichten. Makrofotografen benötigen allerdings nicht zwingend die neuesten Objektivfeatures, in vielen Fällen können sie darauf verzichten. Gerade bei sehr kleinen Objekten kommt man am manuellen Fokussieren kaum vorbei, ein Autofokusmotor wird daher oftmals nicht benötigt. Auf einen optischen Bildstabilisator lässt sich in der Regel ebenso verzichten, ein Stativ ist bei vielen Makrofotos nämlich Pflicht. Gerade wer Geld sparen möchte, kann daher zu Objektiven greifen, die aus heutiger Sicht nicht dem aktuellsten Standard entsprechen. Völlig sinnlos sind ein schneller Autofokus und ein Bildstabilisator allerdings auch nicht, bei der Arbeit aus der Hand sorgen sie für eine deutlich höhere “Trefferquote”. Es ist daher letztendlich eine Frage der gewünschten “Aufnahmeart”, welche Features ein Objektiv besitzen sollte.

Go Extreme – Die Welt abseits von 1:1

Aufnahmen mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1 oder 2:1 sind in der Regel schon sehr ansprechend und erlauben starke Vergrößerungen. Das Ende der Makrofotografie sind sie aber noch lange nicht. Wer sehr kleine Motive extrem stark vergrößern möchte, kann die sogenannten Lupenobjektive erwerben. Diese bieten unter anderem Canon (MP-E 65mm F2.8 1-5x) oder Venus Optics (Laowa 25mm F2.8 2.5-5X Ultra Macro) an. Lupenobjektive sind für extreme Aufnahmen optimiert, abseits der Makrofotografie lassen sie sich nicht verwenden. Das liegt an den stark eingeschränkten Fokussierbereichen, auf unendlich lässt sich nicht scharfstellen. Des Weiteren verfügen Lupenobjetive über keinen Autofokus.

Makro-Aufnahmen ohne Makro-Objektiv

Wer nur sehr selten kleine Objekte fotografieren möchte oder kein Budget für ein extra Makro-Objektiv hat, kann sich mit verschiedenen Zubehörprodukten behelfen. Dazu gehören Nahlinsen, Zwischenringe oder auch Retro-Adapter. Ohne Nachteile (z. B. muss oftmals eine schlechtere Bildqualität akzeptiert werden) sind diese allerdings nicht zu verwenden.

Objektiv-Empfehlungen für alle Kameras

Makro-Objektive für Spiegelreflexkameras von Canon mit Kleinbildsensor

Sigma 70mm F2.8 DG Macro Art

Tamron SP 90mm F2.8 Di Macro VC USD 1:1 (F017)

Sigma 150mm F2.8 EX DG OS HSM Macro

Venus Optics Laowa 100mm F2.8 2x Ultra-Macro APO

Makro-Objektive für Spiegelreflexkameras von Canon mit APS-C-Sensor

Sigma 70mm F2.8 DG Macro Art

Tamron SP 90mm F2.8 Di Macro VC USD 1:1 (F017)

Sigma 150mm F2.8 EX DG OS HSM Macro

Venus Optics Laowa 100mm F2.8 2x Ultra-Macro APO

Makro-Objektive für spiegellose Systemkameras von Canon mit Kleinbildsensor

Canon RF 85mm F2 IS Macro STM

Sigma 70mm F2.8 DG Macro Art mit EF-EOS R-Adapter

Tamron SP 90mm F2.8 Di Macro VC USD 1:1 (F017) mit EF-EOS R-Adapter

Venus Optics Laowa 100mm F2.8 2x Ultra-Macro APO mit EF-EOS R-Adapter

Makro-Objektive für spiegellose Systemkameras von Canon mit APS-C-Sensor

Canon EF-M 28mm F3.5 Macro IS STM

Sigma 70mm F2.8 DG Macro Art mit EF-EOS M-Adapter

Tamron SP 90mm F2.8 Di Macro VC USD 1:1 (F017) mit EF-EOS M-Adapter

Venus Optics Laowa 65mm F2.8 2x Ultra Macro

Makro-Objektive für spiegellose Systemkameras von Fujifilm mit APS-C-Sensor

7Artisans 60mm F2.8 Macro

Samyang 100mm F2.8 ED UMC Macro

Venus Optics Laowa 65mm F2.8 2x Ultra Macro

Fujinon XF 80mm F2.8 R LM OIS WR Macro

Makro-Objektive für spiegellose Systemkameras mit L-Bajonett und Kleinbildsensor

Sigma 70mm F2.8 DG Macro Art

Makro-Objektive für spiegellose Systemkameras mit L-Bajonett und APS-C-Sensor

Sigma 70mm F2.8 DG Macro Art

Makro-Objektive für spiegellose Systemkameras mit MFT-Sensor

Olympus M.Zuiko Digital ED 30mm F3.5 Macro

Panasonic Lumix G Macro 30mm F2.8 Asph. Mega O.I.S.

Venus Optics Laowa 50mm F2.8 2x Ultra-Macro APO

Olympus M.Zuiko Digital ED 60mm F2.8 Macro

Makro-Objektive für spiegellose Systemkameras von Sony mit Kleinbildsensor

Sigma 70mm F2.8 DG Macro Art

Sony FE 90mm F2.8 Macro G OSS

Venus Optics Laowa 100mm F2.8 2x Ultra-Macro APO

Makro-Objektive für spiegellose Systemkameras von Sony mit APS-C-Sensor

Sony E 30mm F3.5

Venus Optics Laowa 65mm F2.8 2x Ultra Macro

Sigma 70mm F2.8 DG Macro Art

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