Wie schlimm sind Kratzer auf bzw. in der Frontlinse?

Kleine Kratzer sind oftmals kaum zu sehen

Viele Fotografen werden folgende Situation kennen: Einmal nicht aufgepasst und schon ist es passiert – die Frontlinse hat einen Kratzer abbekommen. Nun könnte man natürlich in Panik ausbrechen und schon die verunstalteten Bilder oder die Rechnung der Objektivreparatur im Kopf haben. Die Sache ist meistens allerdings halb so schlimm. Von kleineren bis mittleren Kratzern (~ bis 10mm) bekommt man in den meisten Situationen fast nichts mit.

Beschädigungen verschwinden in der Unschärfe

Wie kann das denn sein, dürfte sich nun der ein oder andere fragen? Der Grund dafür ist, dass sich die Frontlinse im Unschärfebereich des Objektivs befindet. Jetzt werden Sie sagen: Aber alles, was sich zwischen dem Motiv und dem Objektiv befindet, beeinflusst doch die Bildqualität. Da haben sie natürlich recht, der Grad der Beeinflussung ist allerdings entscheidend. Kratzer auf der Frontlinse sind oftmals so klein, dass sie entweder nicht oder allenfalls minimal auf einem Bild zu erkennen sind. Selbst größere Kratzer lassen sich oftmals gar nicht auf Bilder wiederfinden. Die Bildqualität wird durch Schäden an der Frontlinse natürlich nicht besser, sie wird aber ebenso oftmals kaum sichtbar schlechter. Der Austausch der Frontlinse, der je nach Objektiv ab etwa 100 Euro kostet, ist daher in den seltensten Fällen wirklich notwendig.

Kleinere Kratzer auf der Frontlinse – wie hier zu sehen – sind normalerweise kein Problem

Sie wollen den Effekt des Unschärfebereichs selbst testen? Dafür müssen sie ihr Objektiv nicht zerstören, sondern können beispielsweise eine Nadel direkt vor die Frontlinse halten und auf unendlich fokussieren. Je nach Brennweite und Lichtstärke der Optik werden sie die Nadel kaum oder eventuell sogar gar nicht mehr sehen. Genau dieser Effekt trifft auch für Kratzer zu.

Kratzer sollten trotzdem vermieden werden

Sind Kratzer also fast völlig egal und braucht man die Frontlinsen seiner Objektive nicht schützen? Dies können wir natürlich auch nicht unterschreiben. Während die „Auflösungsleistung“ eines Objektivs durch kleine Kratzer kaum abnimmt, können durchaus andere Probleme entstehen. Hier sind vor allem Reflexionen und Streulicht zu nennen, die bereits bei leichten Oberflächenschäden der Vergütung deutlich sichtbar werden können. Diese resultieren aus der abweichenden Lichtbrechung in den Kratzern, die zum Beispiel Regenbogeneffekte entstehen lassen.

Kratzer auf der Hinterlinse sind viel problematischer

Deutlich schlimmer als Kratzer auf der Frontlinse sind Kratzer auf der sogenannten Hinterlinse. Also der letzten Linse des Objektivs vor dem Bildsensor. Diese Linse liegt vergleichsweise nah am Sensor, selbst kleinere Beschädigungen können die Bildqualität deutlich beeinflussen. Die Hinterlinse sollte daher unbedingt geschützt werden. Stellen oder legen Sie Objektive daher nie ohne aufgeschraubten Rückdeckel in den Schrank oder den Fotorucksack.

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