Objektiv-Adapter

Grundlagen der Adaption

Wer eine Kamera besitzt kann nicht nur die vom Hersteller für die Kamera angebotenen Objektive nutzen, sondern theoretisch auch jede Menge andere Modelle mit anderen Bajonetten. Den Praxisnutzen und die Sinnhaftigkeit einmal außer Acht gelassen, kann man theoretisch jedes Objektiv an jeder Kamera montieren. Wie dieser Text schon verrät, bietet sich das aber nicht immer an und nicht allzu selten ergeben gewisse Kamera-Objektiv-Kombinationen überhaupt keinen Sinn. Kommen keine speziellen Adapter zum Einsatz lässt sich die Adaption von Objektiven mit einem anderen Bajonett auf zwei Regeln herunterbrechen:

  • Das Objektiv sollte ein Auflagemaß größer als das Bajonett der genutzten Kamera besitzen
  • Das Objektiv sollte einen Bildkreis ausleuchten der größer oder genauso groß wie der Sensor/Film der Kamera ist

Auflagemaße der verbreitetsten Bajonette

BajonettAuflagemaßKamera-TypSensor-/Filmgröße
Samsung NX Mini6,95mmSpiegellos1,0 Zoll
Pentax Q9,2mmSpiegellos1/2,3 Zoll bis 1/1,1/7 Zoll
Nikon Z16mmSpiegellosAPS-C bis Kleinbild
Nikon 1 17mmSpiegellos1,0 Zoll
C-Mount17,526mmu. a. Videokameradivers
Fujifilm X17,7mmSpiegellosAPS-C
Sony E18mmSpiegellosAPS-C bis Kleinbild
Hasselblad XCD18,14mmSpiegellosMittelformat
Micro Four Thirds19,25mmSpiegellos4/3 Zoll
Canon RF20mmSpiegellosKleinbild
L-Bajonett20mmSpiegellosAPS-C bis Kleinbild
Samsung NX 25,5mmSpiegellosAPS-C
Fujifilm G26,7mmSpiegellosMittelformat
Leica M27,8mmSpiegellosbis Kleinbild
Contax G29mmSpiegellosKleinbild
Contax RF34,85mmSpiegellosKleinbild
Nikon S34,85mmSpiegellosKleinbild
Four Thirds38,67mmSpiegelreflex4/3 Zoll
Konica AR40,5mmSpiegelreflex4/3 Zoll
Canon FL42mmSpiegelreflexKleinbild
Canon FD42mmSpiegelreflexKleinbild
Minolta SR43,5mmSpiegelreflexKleinbild
Canon EF44mmSpiegelreflexAPS-C bis Kleinbild
Canon EF-S44mmSpiegelreflexAPS-C
Sigma SA*44mmSpiegelreflexAPS-C bis Kleinbild
M4245,46mmSpiegelreflexKleinbild
Pentax K*45,46mmSpiegelreflexAPS-C bis Kleinbild
Olympus OM46mmSpiegelreflexKleinbild
Nikon F46,5mmSpiegelreflexKleinbild

Fett markierte Bajonette werden aktuell noch genutzt
* : Objektive werden standardmäßig auch an DSLMs verwendet

Wie unsere Liste zeigt, besitzen die Bajonette spiegelloser Systemkameras normalerweise ein sehr kurzes Auflagemaß, die Bajonette von Spiegelreflexkameras ein sehr langes Auflagemaß. Das sollte keinen verwundern, denn schließlich bezeichnet das Auflagemaß den Abstand vom Bajonett zum Sensor/Film (= Bildebene). Da bei Spiegelreflexkameras der Spiegelkasten zwischen Bajonett und Sensor liegt, muss ein Zwischenraum von einigen Zentimetern vorhanden sein. Je weiter eine Kamera in der aufgeführten Liste oben zu finden ist, desto mehr Objektiven lassen sich im Durchschnitt theoretisch daran adaptieren.

Grafik mit Erklärungen zum Auflagemaß (CC BY-SA 3.0)

In der Praxis lassen sich Objektiven je leichter adaptieren, umso weiter die Auflagemaße der Bajonette (Objektiv sowie Kamera) auseinander liegen. Es ist also beispielsweise sehr einfach ein Objektiv mit Nikon F-Bajonett (46,5mm) an einer Kamera mit Sony E-Bajonett (18mm) zu adaptieren. Je geringer der Unterschied ausfällt, desto schwieriger wird dies. Schließlich muss ausreichend Platz für den Adapter bleiben. Bei sehr geringen Abständen (im unteren einstelligen Millimeterbereich) sind – sofern sich ein Adapter überhaupt realisieren lässt – besondere Adapterkonstruktionen notwendig. Hält man sich nicht an die Regel “Auflagemaß des Objektives mindestens so groß wie Auflagemaß der Kamera” muss man einen Adapter mit Ausgleichslinse nutzen oder verliert die Fähigkeit, auf unendlich fokussieren zu können.

Die wichtigsten Sensorgrößen

NameGröße
1,0 Zoll13,2 x 8,8mm
(Micro) Four Thirds17,3 x 13mm
APS-C (1,5x)22,3 x 14,9mm
APS-C (1,6x)23,5 x 15,6mm
APS-H27,9 x 18,6mm
Kleinbild36 x 24mm
Mittelformat44 x 33mm
Mittelformat53,7 x 40,2mm

Der zweite wichtige Parameter beim Adaptieren von Objektiven ist der Bildkreis des Objektivs. Dieser sollte – sofern man keine speziellen Adapter, welche die optischen Eigenschaften verändern, einsetzen möchte – wie bereits erwähnt mindestens den gesamten Sensor der Kamera abdecken. Ist das nicht der Fall, kommt es zu Abschattungen oder einer am Rand deutlich abfallenden Bildqualität. Dabei gilt es zu beachten: Objektive werden grundsätzlich für einen “Sensortyp”, also beispielsweise Kleinbild, konstruiert. Der Bildkreis kann aber trotzdem größer (oder theoretisch auch kleiner ausfallen). Je nach Brennweite können sich diesbezüglich bei Zoomobjektiven sogar Unterschiede ergeben. Wie groß der Bildkreis in der Realität ausfällt, lässt sich in der Regel nur durch Testen herausfinden. Einfachheitshalber kann man sich an die vom Hersteller genannten Werte halten.

Arten von Objektiv-Adaptern

Passive Objektiv-Adapter

Passive Objektiv-Adapter übernehmen zwei Aufgaben: Sie gleichen zum einen die unterschiedlichen Auflagemaße des Objektivs-Bajonetts und des Kamera-Bajonetts aus, zum anderen sorgen sie für die Montage-Möglichkeit an der Kamera. Wegen der unterschiedlichen Montage-Systeme wäre der Einsatz sonst nicht möglich. Die vom Objektiv zur Kamera und umgekehrt gesendeten Daten übertragen passive Adapter dagegen nicht. Dafür bieten diese keine Schnittstelle. Dadurch fallen diverse Funktionen, die ein modernes Objektiv normalerweise besitzen würden, weg. Passive Adapter eignen sich daher vor allem für den Einsatz mit vollständig manuell zu bedienenden Objektiven. Bei diesen erfolgt die Blendenwahl und die Fokuswahl über Einstellringe am Objektiv, weitere Funktionen besitzen sie normalerweise nicht.

Ein passiver Objektiv-Adapter von Nikon F auf Sony E (Bildquelle: Hama)

Aktive Objektiv-Adapter

Aktive Objektiv-Adapter besitzen ebenfalls den Funktions-Umfang der passiven Adapter (Ausgleichen des Auflagemaßes und Montage-Möglichkeit), sie unterstützen aber noch ein paar mehr Funktionen. Aktive Adapter reichen die Daten zwischen Kamera und Objektiv weiter oder “übersetzen” diese sogar. Ein Objektiv von Canon könnte an einer Sony-Kamera wegen der unterschiedlichen Steuerdaten ansonsten beispielsweise nicht genutzt werden. Die besten aktiven Adapter erlauben den Einsatz des Objektivs ohne Einschränkungen, neben der Fokus- und Blendenwahl können auch der Bildstabilisator oder die Übertragung der Exif-Informationen funktionieren.

Aktive wie passive Adapter besitzen im Regelfall keine zusätzlichen Linsen. Die Bildqualität des Objektivs und allgemein dessen optische Eigenschaften ändern sich dadurch nicht.

Der aktive Adapter Sigma MC-11 erlaubt den Einsatz von Canon EF-Objektiven an Sony E-Kameras (Bildquelle: Sigma)

Focal Reducer

Focal Reducer werden auch als Telekompressoren oder SpeedBooster (Markenname des Herstellers Metabones) bezeichnet. Dabei handelt es sich um passive oder aktive Adapter mit zusätzlichen Linsen, welche die Brennweite des Objektivs reduzieren und die Lichtstärke erhöhen. Das Prinzip entspricht einem umgedrehten Telekonverter. Focal Reducer lassen sich allerdings nur sinnvoll einsetzen, wenn das verwendete Objektiv einen deutlich größeren Bildkreis als die Kamera besitzt. Die meisten Focal Reducer erhöhen die Lichtstärke um eine Blende und reduzieren die Brennweite um den Faktor 0,71. Beispiel: Ein für Kleinbildkameras konstruiertes Objektiv mit 100mm Brennweite und einer Lichtstärke von F2.8 würde an einer APS-C-Kamera mit 0,71-fachem-Focal Reducer zu einem 71mm-Objektiv mit einer Lichtstärke von F2 werden. Durch den Cropfaktor der APS-C-Kamera von 1,5 würde man effektiv ein Objektiv mit 107mm Brennweite erhalten.

Ein Focal Reducer aus der sogenannten Speed Booster-Serie mit zusätzlichen Linsen (Bildquelle: Metabones)

Achtung: Das Erhöhen der Lichtstärke funktioniert nicht unbegrenzt, bei vielen Focal Reducern lässt sich nicht mehr als F0.9 erreichen.

Den aktuell “stärksten” Focal Reducer bietet der Hersteller Metabones an. Dieser erlaubt den Einsatz von Nikon F-Objektiven an spiegellosen Systemkameras der Q-Serie von Pentax. Er verkürzt die Brennweite um den Faktor 0,5, die Lichtstärke wird um zwei Blendenstufen erhöht.

Objektiv-Adapter mit Sonderfunktionen

Adapter mit Sonderfunktionen können sowohl passiv als auch aktiv sein. Mit Sonderfunktionen meinen wir Funktionen, die über die eigentlichen Adaption und das Ansteuern des Objektivs hinausgehen. Die meisten Adapter mit Sonderfunktionen erlauben den Einsatz von Filtern. Diese lassen sich in den Adapter einstecken. Besonders interessant ist dieses Vorgehen bei Objektiven ohne eigenes Filtergewinde. Bei diesen können Filter nur über spezielle und in der Regel teure Konstruktionen genutzt werden.

Der Canon EF-EOS R-Adapter mit Drop-In-Filterfach (Bildquelle: Canon)

Neben Adaptern mit Filtersteckplatz lassen sich auch Adapter erwerben, die über eine eigene Blende verfügen. Dadurch ist es möglich abzublenden, obwohl sich dies über das Objektiv nicht realisieren lässt. Canon bietet zudem Adapter mit zusätzlichem Steuerring an. Damit lassen sich verschiedene Parameter verändern.

Einen außergewöhnlichen Adapter kann man von der Firma Techart erwerben. Dieser nennt sich Techart PRO Leica M – Sony E. Neben der aktiven Übertragung von Steuersignalen und dem Ausgleichs des Auflagemaßes erlaubt dieser Adapter das automatische Fokussieren von manuellen Objektiven. Zu diesem Zweck wurde ein eigener Motor verbaut, der das Objektiv abhängig von der Fokusposition nach vorne oder nach hinten bewegt.

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